Pfarrer Künzle
Johann Künzle, der Kräuterpfarrer aus Wangs, hinterliess weit mehr als alte Geschichten: Sein Wissen, seine Heilkunde und seine Spuren in der Landschaft prägen die Region bis heute. Zwischen Museum, Themenweg und lebendigen Erinnerungsorten lässt sich entdecken, wie ein unkonventioneller Pfarrer das Verständnis für Kräuter und Natur nachhaltig beeinflusst hat.
Johann Künzle, der wohl berühmteste Wangser, kam am 3. September 1857 in St. Gallen zur Welt. Nach einigen Jahren als junger Geistlicher fand er 1909 seinen Weg nach Wangs, wo er bis 1920 als Pfarrer wirkte. Seine Art war unkompliziert, bodenständig und herzlich – genug, dass ihm die Wangser Ortsbürger am 24. November 1912 das Ehrenbürgerrecht verliehen.
Sein Wissen über Kräuter und ihre Heilkraft machte ihn weit über die Region hinaus bekannt. Damit sein Lebenswerk nicht in Vergessenheit gerät, gründete sich am 11. November 2005 der Pfarrer-Künzle-Verein. Der Verein möchte Künzles Kräuterwissen, sein Wirken und die historischen Örtlichkeiten rund um sein Leben erneut ins Bewusstsein rücken. Dazu gehören beispielsweise alte Sudhäfen, Baderäume oder Orte, die im Zusammenhang mit seinen Anwendungen standen. Gleichzeitig bemüht sich der Verein darum, diese Plätze der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Museum und Erinnerungsorte
Seit November 2019 betreibt der Verein im geräumigen Pfarrhaus an der Sonnenbergstrasse 32 in Vilters (Parkplätze befinden sich an der Sonnenbergstrasse 12) das Pfarrer-Künzle-Museum. Bereits beim Eintritt fällt auf, wie sorgfältig seine Welt in die heutigen Räume übertragen wurde. Zwei besondere Schätze stechen heraus: die restaurierten Sudhäfen und Badewannen aus dem ehemaligen Kurhotel sowie die nostalgische Apotheke mit Tinkturen, Kräutern und altem Werkzeug. In einer Ecke steht sogar eine Kräuterschneidemaschine, und wer den Hörer des alten Telefonapparats abnimmt, hört die originale Stimme von Pfarrer Künzle. Im kleinen Museumslädeli werden zudem die bekannten Pfarrer-Künzle-Produkte angeboten – ein charmantes Echo seines Erbes.
Der Verein wächst weiter und zählt bereits rund 180 Mitglieder. Neben Aktiv- und Passivmitgliedern sind auch Gönner willkommen. Gesucht werden Erinnerungen jeder Art: Gegenstände, Bücher, Schriften, Anekdoten oder Begebenheiten, die Künzles Leben greifbar machen.
Pfarrer-Künzle-Weg
Um Künzles Wirken auch draussen erlebbar zu machen, wurde im Sommer 2006 der Pfarrer-Künzle-Weg eröffnet. Die leichte Themenrundwanderung beginnt beim Rathaus in Wangs und führt über Waldlehrpfad, Grotte Buchholz, Tobel, Wasserfall und weiter zu mystischen Adernsternen. Der Weg zieht vorbei am ehemaligen Kurhaus Bad Wangs, heute eine Privatschule, und führt dann über den Rappagugg, wo sich eine zweite Grotte befindet. Anschliessend geht es hinunter zur Kirche Vilters, wo nebenan eine imposante Holzskulptur von Künzle aus einem Baumstamm geschnitzt wurde. Durch das Dorf geht der Weg weiter zum Vilterser Kiesfang – ein Platz mit Kinderspielanlage und Feuerstelle – und danach zum Wangser Kiesfang, der Kirche Wangs und schliesslich zurück zum Rathaus.
Mit über 37 Kräuterbild- und 16 Biographietafeln bietet die Route einen lebendigen Einblick in das Denken und Tun des Kräuterpfarrers. Die Wanderung dauert rund zweieinhalb bis drei Stunden, ist gut zugänglich und verbindet Natur, Geschichte und Heilkunde zu einem stimmigen Erlebnis.
Ein Erbe, das weiterlebt
Ob im Museum, auf dem Themenweg oder im Engagement des Vereins – Johann Künzles Spuren sind heute lebendiger denn je. Sein Kräuterwissen, sein unermüdliches Publizieren und seine Liebe zur Natur haben unsere Region nachhaltig geprägt. Wer sich darauf einlässt, begegnet nicht nur historischen Objekten, sondern einer Haltung: der Überzeugung, dass Natur, Wissen und Menschlichkeit eng zusammengehören.