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Gemeinde Vilters-Wangs

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"Dr Schällepack" von Vilters

Ein eigenartiger Brauch, wie er sonst nirgends im Sarganserland üblich ist, findet am Schmutzigen Donnerstag in Vilters statt.

«Dr Schällepack». Reallehrer Oswald Zogg selig beschrieb ihn für die Zeit um 1960 wie folgt: «Dem Brauch entsprechend, dürfen nur Knaben teilnehmen. Schon eine Woche vorher beginnen die Vorbereitungen. Organisatoren sind die Knaben der Realklassen. Sie wählen einen Hauptmann, einen Fähnrich, Bettler und Heimträger. Der Hauptmann ist der Chef. Früher war es so, dass die Mutter des Hauptmanns für alle Teilnehmer das Mittagessen kochte und sie zuhause verpflegte. Heute ist dies nicht mehr möglich, da die Teilnehmerzahl viel zu gross geworden ist. Jetzt sind die Mädchen der Realklassen für die  Mittagsverpflegung verantwortlich, die in der Schulküche zubereitet wird. Das Menu besteht aus einer dicken  Bettlersuppe» (Gemüse, Bohnen, Gerste, Fleisch usw.).

Der Hauptmann besorgt sich eine Militäruniform mit Säbel, der Fähnrich eine Schweizerfahne, die Bettler holen sich beim Pfarrer zwei Opferbüchsen. Die Heimträger bringen einen Wagen mit, auf den die erhaltenen Gaben geladen werden. Früher waren dies sehr häufig Äpfel, gedörrte Birnen, Trockenfleisch, Würste, Guetsli usw. Heute wird eher Geld gespendet. Die Schellner sichern sich schon Wochen vorher bei Landwirten Schellen und Glocken, je grösser, desto besser.

Die Besammlung aller Teilnehmer ist nach einem Gottesdienst beim alten Schulhaus. Der Hauptmann sammelt seine Mannschaft. Vorne marschiert der Fähnrich, dahinter folgen der Hauptmann und die Schellner. Den Schluss bilden die Heimträger und Bettler. Vor jedem Haus gibt der Hauptmann mit hochgehobenem Säbel das Zeichen zum «Schellnen». Sogleich treten die Bettler in Aktion. Als Dank für die erhaltene Gabe wird wieder kräftig geschellt. Um ca. 10 Uhr trifft die Schar bei der Firma ELCO ein. Dort erhalten alle in der Kantine eine Zwischenverpflegung. Um etwa 12.30 Uhr kehrt der Tross zum Schulhaus zurück. Nach der Mittagsverpflegung werden die erhaltenen Esswaren und das gesammelte Geld an alle verteilt. Je nach Alter und «militärischem Rang» wird der Sold abgestuft. Auch die Köchinnen erhalten ihren Lohn. Die Hauptverantwortlichen bekommen ihren Zahltag erst, wenn überall Ordnung herrscht.»

Bis heute wird der alte Brauch im Wesentlichen in dieser Form weitergeführt. Auf Grund der Dorfgrösse ziehen allerdings zwei «Schällepack» durch die Strassen. Anstelle der «Bettlersuppe» erhalten die Teilnehmer am Mittag im Schulhaus ein Sandwich. Ein Teil des gesammelten Geldes geht seit Jahren an eine wohltätige Institution.

Es ist schwierig, den Ursprung dieses Brauches herauszufinden. Bedeutsam erscheint, dass er am Schmutzigen Donnerstag durchgeführt wird. Es war uralte Sitte, an diesem Tag einen Schweinebraten auf den Tisch zu bringen. Die sogenannten «Kilbibuben», ursprünglich wohl die Knabenschaften, machten sich einen Spass daraus, den Schweinebraten oder ein anderes Fleischstück mit List aus dem Siedetopf von der Feuerstelle zu stehlen und dann gemeinsam auf winterlicher Wiese, später im Gasthaus, die Beute unter grossem Gelächter zu verspeisen. Da die Jungen durch derartige Diebstähle im Dorf immer mehr in Misskredit kamen, ging man zum Betteln über. Damit die Leute auf diese Aktion aufmerksam wurden, gab man Schellenzeichen.

Auch die Rollen des Hauptmanns und des Fähnrichs lassen auf die straffe Organisation der ehemaligen Knabenschaften schliessen. Diese Deutung erklärt auch, warum nur Knaben beim «Schällepack» teilnehmen.

Im gemeinsamen Mittagessen des «Schällepacks» im Schulhaus ist zweifellos ein Überrest jenes Gelages zu sehen, das die Knaben nach einem erfolgreichen Raubzug in irgendeiner Küche veranstalteten.

An dieser Stelle danken die heutigen Organisatoren der Bevölkerung von Vilters und den grosszügigen Sponsoren für die tolle Unterstützung unseres alten Brauches.

Januar 2012

Markus Fischli
Marcel John

Schällepack