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Landschaft Gemeinde Vilters-Wangs
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Vilters-Wangs - zwei Dörfer, eine Gemeinde


Eine liebenswerte Gemeinde im Zentrum des Sarganserlandes – zwei lebendige Dörfer mit mehrheitlich intaktem Ortsbild und reicher Natur: das ist Vilters-Wangs. Seit bald zweihundert Jahren sind die Ortschaften am Pizol politisch eine Einheit, ihre spannende Geschichte selbst reicht aber Jahrtausende weiter zurück.

Urkunde
Urkunde Kaiser Ottos II. vom 29. Januar 980 n. Chr., durch welche dem Kloster Einsiedeln der Ort "Berau" mit der Kapelle in Uuanga (Wangs) geschenkt wird. Das Original (50 x 43 cm) aus Pergament mit aufgedrücktem Siegel liegt im Stiftsarchiv Einsiedeln. Erstmals schriftlich erwähnt wurde Wangs allerdings in einer Urkunde Kaiser Lothars I. vom 17. Oktober 841 n. Chr. 

Entwicklung der Besiedelung
Als Bauerndörfer am Talrand treten Vilters und Wangs schon im Mittelalter auf. Wangs ist erstmals im Jahr 841 als „Uuangas“, Vilters 842/843 als „Filtris“ erwähnt. Damals sprach man noch romanisch, wovon bis heute viele Orts- und Flurnamen zeugen. Der geschützte Hügel „Severgall“, östlich von Vilters gelegen, war von der Jungsteinzeit (ab ca. 3000 v.Chr.) bis ins Mittelalter ein beliebter Siedlungsplatz. Zahlreiche Funde belegen die Bedeutung von Handel und Verkehr für die ehemaligen Bewohner. Äxte, Nadeln, Fibeln, Kämme und Armringe sind heute im Historischen Museum St. Gallen und im Museum Sarganserland ausgestellt.

Politische Geschichte
Vilters und Wangs gehörten zur Grafschaft und später als Untertanengebiet zur Landvogtei Sargans. Von der Gemeindeorganisation her war anfangs vor allem die Kirche wichtig: Vilters und Wangs traten als Kirchspiele oder Kapellgemeinden auf, gleichzeitig beanspruchten die Dörfer kommunale Rechte: es entstanden die Ortsgemeinden. In der Neuzeit kam Vilters-Wangs zunächst 1803 als Teil der Gemeinde Ragaz zum Kanton St. Gallen. Ab 1816 bilden die Dörfer eine eigene selbständige Gemeinde, ab 1996 mit dem Doppelnamen Vilters-Wangs. Das Gemeindewappen wurde 1941 nach alten Gemeindezeichen geschaffen: in gespaltenem Schild rechts in Gold eine blaue Lilie (Vilters), links in Blau ein goldener Stern (Wangs). Neben der Politischen Gemeinde haben die Ortsgemeinden Vilters und Wangs bis heute eine grosse Bedeutung behalten (v.a. für Landwirtschaft, Alp- und Forstwirtschaft).

Kirchen
Im religiösen Bereich hatte seit jeher das Kloster Pfäfers grossen Einfluss auf Vilters und Wangs; die Dörfer wurden von der Pfarrei Mels aus betreut. Vilters erhob sich 1487 zur eigenen Pfarrei mit Patron St. Medard – die barocke, schmucke Pfarrkirche wurde 1785-87 zu seinen Ehren erbaut. In der Friedhofkapelle steht bis heute eine wertvolle Figur von 1330, eine Pietà. Westlich der Kirche haben zwei bemerkenswerte Wohnhäuser den Dorfbrand von 1800 überlebt: das Pfarrhaus von 1787 sowie die Alte Mühle von 1766/67. Wangs blieb bis 1881 mit der Mutterpfarrei Mels verbunden, bildet seit dem Kirchenbau von 1880/82 eine eigene Pfarrei mit Patron St. Antonius dem Einsiedler. Die Kirche enthält wertvolle Flügelaltäre aus dem 16. Jahrhundert.

Alpen
Oberhalb der Dörfer Vilters und Wangs liegen an den Abhängen des Pizolgebietes Berggüter und Alpen. Auf den Berggütern sind schon im 14. Jahrhundert auch deutschsprachige Bewohner, sogenannte Walser, ansässig. Die Wangser Alpen werden bereits 1250 genannt, damals als Lehen des Klosters Pfäfers. Sie gehören mit Ausnahme der Alp Wald, die im Besitz der Ortsgemeinde Wangs steht, der Alpkorporation Wangs: Gamidaur (1500-2100 m, 50 Mutterkühe und 50 Kälber), Mugg/Wald (1200-2200 m, 370 Stück Galtvieh) und Vermie (1500-2000 m, 70 Kühe). Als Besonderheit besteht die Korporation nur aus Angehörigen bestimmter Familien, die die schönen Weiden nutzen und bewirtschaften lassen. Vilterser Besitz sind die Schafalp Valeis (1200-1600 m, 400 Schafe und 20 Ziegen) sowie Vilterser Alp Wald (1300-1900 m, 150 Aufzuchtrinder).

Naturkatastrophen
Vilters und Wangs wurden in früheren Zeiten durch Naturkatastrophen und Brände mehrfach heimgesucht: Wangs erlitt 1861 einen Grossbrand und 1914 brannte es gegenüber dem heutigen Rathausplatz, Vilters hatte 1588 und 1800 einen grossen Dorfbrand und Teile des Unterdorfes gingen 1909 in Flammen auf. Zudem verschütteten Bergbäche 1764 und 1839/40 grosse Teile beider Dörfer, 1959 das Dorf Vilters. Die schachbrettartig angelegte Siedlung "Neuwangs" entstand als Folge der schweren Murgänge in den Jahren 1839/40. An den Strasseneingang wurde die dorthin verlegte Dreifaltigkeitskappelle gebaut. In beiden Dörfern sind trotz schlimmer Ereignisse bis heute einige bau- und kunsthistorisch wertvolle Häuser erhalten geblieben.
Immer wieder bedrohten auch Überschwemmungen der Saar und des Rheins Äcker und Fluren. In der wirtschaftlich schwierigen Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts wanderte eine nicht geringe Zahl an Einheimischen aus, vorab in die Vereinigten Staaten von Amerika oder nach Südamerika. Das Sarganserland war damals ein klassisches Auswanderungsgebiet. Erst die Rheinkorrektion und die zusammenhängende Melioration der Saarebene in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts werteten das Land stark auf und ermöglichten neuen Erwerb. Das Sarganserland wurde 1858/1859 durch die Eisenbahn erschlossen.

Erwerb und Tourismus
Vilters und Wangs lebten während Jahrhunderten vor allem von der Landwirtschaft und einem bescheidenen Gewerbe. Kräuterpfarrer Johann Künzle wirkte 1909-1920 in Wangs und eröffnet 1913 das Kurhaus „Bad Wangs“. Es kann als erster touristischer Betrieb gesehen werden. In den Räumen des ehemaligen Kurhauses wird ab 1962 eine private Sekundarschule betrieben (seit 2010 als „Institut Sancta Maria). Auch der „Sonnenberg“ oberhalb von Vilters wurde 1913 als Kurhaus eröffnet; in seinen Räumen bestand von 1950 -2011 ebenfalls eine private Sekundarschule. - 1928 begann die Geschichte der Vilterser Firma Elco, die Öl- und Gasfeuerungen herstellte und die sich nach dem Zweiten Weltkrieg zum grössten Arbeitgeber in der Gemeinde entwickelte. Weitere kleinere Industrie- und Gewerbebetriebe kamen hinzu.
1954 eröffnete man in Wangs die erste Luftseilbahn bis in die Furt (Erneuerungen 1975 und 2009), 1955/56 die ersten Skilifte. Das Pizolgebiet ist bis heute ein weitbekanntes Sommer- und Wintersportgebiet.

Schulen
Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestanden sowohl in Vilters auch in Wangs Schulen. Sie wurden allerdings nur im Winter geführt, im Sommer halfen die Kinder auf den Bauernhöfen. Nach und nach vergrösserten sich die Klassen: es wurde neben den Dörfern auch in Grünenfeld und Fontanix Schule gehalten. Noch fand der Unterricht mit dürftig ausgebildeten Lehrern in Privathäusern statt. 1870 entstanden in Vilters und Wangs eigene Schulhäuser (Neubauten in Vilters 1949, in Wangs 1956, gemeinsames Oberstufenschulhaus 1980). Im Jahr 2000 fusionierten die Schulgemeinden Vilters und Wangs und die Oberstufenschulgemeinde zu einer einzigen Schulgemeinde. Im Jahr 2009 wurde die Schulgemeinde in die Politische Gemeinde inkorporiert (Einheitsgemeinde). Wie andernorts, so verfügen die Dörfer heute über bestens ausgerüstete Schulen mit breitem Angebot.

Weiterlesen…
Interessierte finden in der Literatur spannende weitere Angaben zur Geschichte von Vilters-Wangs. Ein paar wenige Angaben dazu (meist erhältlich im Buchhandel, teilweise antiquarisch):
Alpen im Sarganserland (Mels 2008)
Wangser Kirchengeschichte 1881-2001 (Fritz Rigendinger, Maurus Castelberg, Mels 2002)
Es begann im Drachenloch … Geschichte des Sarganserlandes (Paul Gubser, Mels 1998)
Flurnamen von Wangs (Marco Borio, Wangs 1994)
Die romanischen Orts- und Flurnamen von Vilters und Wangs (Valentin Vincenz, Mels 1993)
Ein halbes Jahrtausend Pfarrei St. Medard Vilters (Werner Vogler, Vilters 1987)
Wangs – Dorf Nachbarschaft Gemeinde (Werner Vogler, Mels 1985)
Ortsgeschichte von Vilters (Leonhard Bigger, Gams 1979)
Die Kunstdenkmäler des Kantons St. Gallen (Bd. I, Erwin Rothenhäusler, Basel 1951)